HLBS - Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen
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Ausbildung zum Sachverständigen

Der Begriff „Sachverständiger“ bezeichnet keinen definierten Beruf.

Der Gesetzgeber hat weder bestimmt, wer sich als Sachverständiger bezeichnen kann, noch die Rechtsverhältnisse dieses Personenkreises geregelt. Somit lässt sich die Frage, wer Sachverständiger ist bzw. wie man Sachverständiger wird, nur aus dem Begriff selbst und aus der Zweckbestimmung der Sachverständigentätigkeit ableiten.

Die Tätigkeit des Sachverständigen ist entsprechend des weitverzweigten Erwerbs- und Wirtschaftslebens und der sich immer stärker differenzierenden Technik äußerst mannigfaltig und vielseitig. Ist der Zustand einer Sache zu beurteilen, der Wert oder die Qualität einer Sache oder Leistung festzustellen, die Ursache und die Höhe eines Schadens zu ermitteln, bedarf es einer sachkundigen Person. Nähere Informationen zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern finden Sie unter folgendem Link:  Expertensuche/Tätigkeitsfelder/ Was leisten Sachverständige?

Die begutachtende Tätigkeit ist an keine Genehmigung oder Zulassung gebunden und steht jedermann ebenso frei wie die Führung der Bezeichnung „Gutachter“ oder „Sachverständiger“. Jeder, der sich am Gutachtenmarkt betätigen möchte, darf sich diesen Titel selbst verleihen und unterliegt keiner gesetzlich vorgeschriebenen Kontrolle. Wie jeder Gewerbetreibender oder Freiberufler unterliegen aber alle sachverständig Tätigen den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften wie beispielsweise dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).

Öffentliche Bestellung und Vereidigung als Sachverständiger

Personen, die als Sachverständige tätig sind oder tätig werden wollen, können auf Antrag durch die von den Landesregierungen bestimmten Stellen oder nach Landesrecht zuständigen Stellen für bestimmte Fachgebiete öffentlich bestellt und vereidigt werden, sofern die besondere Sachkunde nachgewiesen wird und keine Bedenken gegen die persönliche Eignung bestehen. Die Bezeichnung öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (ö.b.v. SV) ist ein gesetzlich geschützter Begriff.

Voraussetzung für eine öffentliche Bestellung ist eine einschlägige Ausbildung und eine ausreichende Berufserfahrung. Bei Bewerbern, die in einem öffentlichen oder privaten Dienstverhältnis stehen, muss sichergestellt sein, dass die Ausübung der Sachverständigentätigkeit gestattet ist und dass die betreffenden Personen keinen fachlichen Weisungen des Arbeitgebers unterliegen.

Besondere Sachkunde

Der Begriff „besondere Sachkunde“ ist im Zusammenhang mit der Sachverständigentätigkeit so auszulegen, dass Personen in einem Fachbereich überdurchschnittliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen besitzen. Sie müssen ferner in der Lage sein, ihr fachliches Wissen in der einem Gutachten entsprechenden Form schriftlich und mündlich umfassend und für den Auftraggeber verständlich und nachvollziehbar darzulegen.

Im Fall der Antragsstellung für die öffentliche Bestellung muss der Sachverständige seine besondere Sachkunde nachweisen. Das kann insbesondere geschehen durch

-          Zeugnisse über Schul- und Berufsausbildung
-          Bescheinigungen über Aus- und Fortbildungen
-          selbstgefertigte Gutachten
-          sonstige Nachweise der fachlichen Eignung (z.B. Veröffentlichungen)
-          schriftliche und/oder mündliche Prüfungen (Fachgespräch)

Aus den vorgelegten Unterlagen und sonstigen Nachweisen der fachlichen Eignung müssen die überdurchschnittlichen Fachkenntnisse eindeutig hervorgehen.

Persönliche Eignung

Weitere Voraussetzung für die öffentliche Bestellung ist, dass keine Bedenken gegen die Eignung des Bewerbers bestehen, dass heißt, die Persönlichkeit des Sachverständigen muss die Gewähr für die ordnungsgemäße Durchführung der Gutachtertätigkeit bieten. Es muss aufgrund der Persönlichkeit sowie aufgrund der beruflichen und wirtschaftlichen Situation des Bewerbers sicher sein, dass er die Erstattung von Gutachten unter Wahrung der ihm auferlegten Pflichten vornimmt. Dazu gehören insbesondere, dass er bei der Ausübung seiner Tätigkeit unabhängig, gewissenhaft und zuverlässig ist. Über die Person des Antragstellers werden entsprechende Auskünfte eingeholt.

Aus- und Fortbildung

Es gibt keine spezifische Ausbildung zum Sachverständigen. Die notwendigen speziellen Kenntnisse der Gutachtenerstellung, der Rechts- und Erwerbssituation als Sachverständiger sowie die fachliche Basis- und Weiterqualifikation können jedoch in geeigneten Fortbildungsangeboten angeeignet werden. Hierzu bietet der HLBS ein umfangreiches Seminarprogramm an, dass auch von den zuständigen Bestellungsbehörden anerkannt ist. Jährlich werden hierzu zwischen 20 und 30 Fachseminare angeboten, die von etwa 500-600 Teilnehmern besucht werden. Neben der Fortbildung bedarf es jedoch unabdingbar einer guten beruflichen Qualifikation als Ausgang der Sachverständigentätigkeit und einschlägiger Praxiserfahrung in den jeweiligen Sachgebieten.

Aktuelle Seminare der HLBS-Informationsdienste GmbH für Sachverständige und angehende Sachverständige finden Sie auf der Internetseite:  www.hlbs.de/seminare/Seminarsuche

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